Die Villa Fedora in Baveno


Im Herzen eines kleinen Gemeindeparks von Baveno zieht die Villa Fedora die Blicke ihrer Besucher magisch an. Auf den ersten Blick scheint sich das hinter dem Wildbach Selva Spessa gelegene Bauwerk sogar zu verstecken. Doch dann entfaltet sich die Villa in all ihrer Pracht. Sie ist wahrlich eine Augenweide, diese Villa mit ihren rötlich-gelb schillernden Ziegelsteinen. Doch das ist auch erst der Anfang.

Bei dieser Villa begeistert jedes Detail

Von Säulen getragene Laubengänge

Von besonderer Schönheit ist der Teil der Villa Fedora, dessen Blick direkt auf den Lago Maggiore gerichtet ist. Zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Stock verbinden von Säulen getragene Laubengänge das Haus. Die symmetrisch geformten Fenster sind von Fensterläden im dezenten Blassgrün verziert. Denn es ist genau diese Liebe zum Detail, mit der sich die Villa Fedora von vielen anderen Bauten unterscheidet.

Ein ansehnliches architektonisches Meisterwerk

Wechselnde Besitzer

Die Villa Fedora ist ein in den 1850 erbautes kleines architektonisches Meisterwerk, dessen Erbauung von dem aus Turin stammenden wohlhabenden Visionär Giacinto Mannati zurückzuführen ist. Doch es dauerte nur etwa 40 Jahre an, bis das Besitztum in die Hände von Giuseppe Ceretti überging. Anfang des 20. Jahrhunderts wechselte der Besitzer des Gebäudes erneut. Damals erhielt der Hotelier Giuseppe Spatz den Zuschlag. Dieser Hotelier vermachte die Villa nach diversen Umbaumaßnahmen wiederum seinem Schwiegersohn. Doch dieser Schwiegersohn war bei weitem kein Unbekannter. Ganz im Gegenteil. Bis heute wird die Villa Fedora in einem Atemzug mit diesem stolzen Besitzer, dem Musiker Umberto Giordano, genannt. Denn dieser Musiker komponierte im Jahre 1898 wiederum eine Oper, die den Namen „Fedora“ trägt.

Nachdem der Komponist zusammen mit seiner Familie über 20 Jahre in der Villa verbrachte, entschieden sich die Bewohner der Villa, ihren Lebensmittelpunkt 1924 nach Mailand zu verlagern. Damit gehörten die vermutlich glücklichsten Zeiten der Villa der Vergangenheit an. Denn was danach folgte, ist ein Teil der düstersten Kapitel der Menschheitsgeschichte.

Düstere Momente ereigneten sich in der Villa im Zweiten Weltkrieg

Nachdem sich die Familie Giordano für einen neuen Lebensmittelpunkt entschieden hatte, kaufte das Polytechnische Institut von London die Villa auf. Ab September 1943 erkor ein wohlhabender Papierhändler jüdischen Glaubens die Villa Fedora als Zufluchtsort aus. Doch noch im gleichen Monat wurde der Jude von Angehörigen der SS heimgesucht. Die Nazis brachten Emil Serman in ihr Hauptquartier, das der Papierhändler nicht mehr lebendig verließ. Im gleichen Zeitraum wurden außerdem die Frauen der Familie Serman von der SS deportiert. Daraufhin ergriff die SS die Möglichkeit, die Villa auszurauben und an diesem geschichtsträchtigen Ort ausschweifende Feste zu feiern – mit Anwesenheit der Hausangestellten.

Der Sitz einer Hilfsorganisation

Nach dem Untergang der SS-Dynastie wurde die Villa Fedora zum Sitz der Opera Nazionale Maternitá Infanzia umfunktioniert. Diese Vereinigung war eine Hilfsorganisation, die sich unter anderem dem Schutz und der Unterstützung hilfsbedürftiger Schwangerer und Mütter annahm. Außerdem hatte es sich Initiative zur Aufgabe gemacht, aus bedürftigen Familien stammende Säuglinge, Kleinkinder und Kinder bis zum fünften Lebensjahr zu unterstützen.

Zudem sorgten sich Mitarbeiter der Vereinigung um „materiell oder moralisch verlassene“ Minderjährige sowie Kinder mit physischen oder psychischen Schwierigkeiten. Aktuell befindet sich die Villa Fedora allerdings im Besitz der Industrie- und Handelskammer des VCO, der Region Verbania – Cusio – Ossola. Die Villa gilt sogar als Hauptsitz der IHK VCO.

Schauplatz des Festivals Umberto Giordano

Seit 1998 einmal im Jahr

Der Blick auf die bewegende Geschichte dieses Bauwerks lüftet ein Geheimnis, das eigentlich schon längst keines mehr ist. Seine Glanzzeit erlebte das prachtvolle Haus zu Zeiten, als Komponist Umberto Giordano zusammen mit seiner Familie in der Villa residierte. Dessen Vergangenheit und enge Verbundenheit mit dem Städtchen Baveno nahmen Musikliebhaber als Anlass, um schon seit 1998 einmal im Jahr ein Festival zu Ehren des Musikers zu veranstalten. Der Erschaffer der Oper Fedora war ein Visionär, der die Villa Fedora als kreative Stätte nutzte und intensive Arbeitszeiten in diesem Prachtbau verbrachte. Deshalb treffen einmal im Jahr im Juli Musikliebhaber aus nah und fern in der Villa Fedora aufeinander, um dessen musikalische Werke im Ratssaal der Stadt Baveno aufleben zu lassen.

Doch auch die Villa Fedora bleibt nicht außen vor. Denn an diesem Ort finden während des Festivals in jedem Jahr Ausstellungen rund um das Leben und Schaffen des Musikers statt. Zum Teil widmen sich die Ausstellungen dem Leben des Künstlers selbst. Außerdem wird die Ausstellung durch Darstellungen anderer befreundeter Künstler ergänzt. Damit lebt das Lebenswerk Umberto Giordanos und damit auch das der Villa Fedora weiter.

Das architektonische Herzstück eines englischen Parks

Die Grünanlage ist hauptsächlich zur Sommerzeit geöffnet

Wer der Villa Fedora einen Besuch abstatten möchte, sollte in Baveno von der Simplonstraße abbiegen. Hier orientieren Sie sich an der Brücke, die in der Nähe des Stadtzentrums über dem Fluss Selva Spessa verläuft. Die Villa ist das Herzstück eines malerischen englischen Parks. Da die mit Eichen, Azaleen, Kamelien und Mimosen gesäumte Grünanlage hauptsächlich zur Sommerzeit geöffnet ist, sollten Bewunderer der Villa Fedora den Besuch auch zur warmen Jahreszeit einplanen.

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