Castello Visconteo


Erstmals wurde schon im Jahr 866 ein Königshof erwähnt, der der Grafschaft Stazzona angehörte. Allerdings ist der Standort dieser Grafschaft bis heute ungewiss. Während des 10. Jahrhunderts wurde in einer Urkunde zum ersten Mal zum ersten Mal eine Burg in Leocarni erwähnt. Allerdings konnte bis heute nicht geklärt werden, ob sich dieses Dokument tatsächlich auf eine Burg in Locarno bezieht. Schließlich existierten zu dieser Zeit mehrere Burgen in der Region um Locarno, die allesamt im Besitz der gleichen Adelsgruppe standen.

Castello Visconteo

Blick auf die Ruinen vom Castello Visconteo

Die bewegte Geschichte des Castello Visconteo

Der ursprüngliche Umfang des Castellos war wesentlich größer

Die sogenannte Capitanei Locarno wurde in mehrere Familienzweige und Familien untergliedert, nachdem der Erzbischof von Mailand die Region Locarno an verschiedene Herren von Besozzo verliehen hatte. Diese Entscheidung hatte zur Folge, dass Locarnese durch unterschiedliche Burgen-Sitze aus regiert wurde. Bis heute sind Überreste des Castello Visconteo sichtbar. Allerdings war der ursprüngliche Umfang des Castellos wesentlich größer.

Das Kastell stand regelmäßig im Fokus kämpferischer Auseinandersetzungen

Die Gründungszeit des Castello Visconteo geht vermutlich auf das 12. Jahrhundert zurück. Damals residierte der Kaisertreue Capitanei Orelli in dem Kastell. Bei kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen den Städten Mailand und Como wurde Locarno wahrscheinlich auch zerstört. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Stadt bei Auseinandersetzungen zwischen Ghibellinen und Guelfen, die sich im 13. Jahrhundert vollzogen. Das Castello Visconteo wurde um 1260 durch aus Mailand vertriebene Ghibellinen zerstört. Dadurch sah sich Simon von Orello veranlasst, die Seiten zu wechseln. Bis zu dessen Tod setzte sich Simon von Orello erfolgreich gegen die Guelfen zur Wehr.

Der Einfluss der Visconti von Mailand

Der weitere historische Verlauf des Castello Visconteo ist beispielsweise mit einem Machtausbau der Visconti von Mailand verbunden, die die Burg von der Land- und Seeseite im Jahr 1342 angriffen. Die Visconti stellten einen Verwalter, der die Burg in großem Ausmaß ausbauen sollte. Ein Schlüsseljahr war das Jahr 1439, in dem Franchino Rusca und dessen Nachkommen bis 1500 im Castello Visconteo lebten. In diesem Zeitraum erlebte die Festung die größten und massivsten Ausbauten. Mailändern Herzögen zweifelten jedoch an der Zuverlässigkeit der Rusca und überließen den Erbauern nur noch einen Teil der Anlage. Weitere Ereignisse wie eine Besetzung der Burg durch französische Truppen im Jahr 1499 sowie weitere Besetzungen im Jahr 1503 und 1512 folgten. Daraufhin befand sich das Castello Visconteo im Besitz von Locarno, dem der Unterhalt der großen Anlage jedoch zu aufwendig war. Es kam, wie es kommen musste: erste Abbrucharbeiten wurden durchgeführt. Immer mehr Menschen nutzten das einstige Areal des Kastells, um auf dem Grund und Boden ihre Wohnhäuser zu errichten.

Die einstige Größe des Kastells lässt sich nur erahnen

Die bis heute erhaltenen Bauten machen nur noch etwa ein Fünftel der gesamten einstigen Anlage aus. Seine heutige Optik erhielt das Castello Visconteo aus rekonstruierenden Renovierungsmaßnahmen, die von 1921 bis 1928 vollzogen wurden. An der südlichen Seite erblicken Sie noch immer Wehranlagen, die den rundlichen Eckturm im südwestlichen Teil sowie eine Mauer samt Wehrgang aus dem Zeitalter der Visconti erhalten. Architektonische Besonderheiten dieses Bereichs sind Maschikuli, Schiessscharten und Schwalbenschwanzzinnen. Vor der Anlage zieht ein Teil eines gut erhaltenen Burggrabens die Blicke magisch an. Der Schlosshof ist im südlichen und westlichen Teil von zwei Palazzi umrandet, die im Renaissance-Stil erbaut wurden. Der östliche Teil des Castello Visconteo ist vom großen Sockel eines Turms umrandet, auf dem im Laufe des 16. Jahrhunderts der Herrschaftsbau der Casorella erschaffen wurde.

Der bis heute erhaltene Teil der Burg

Rivellino-Bastion befindet sich in privaten Händen

In östlicher Richtung erstreckt sich der bis heute erhaltene Teil der Burg zum ehemaligen Hafengelände. In diesem Bereich wurden die Mauern des einst vor Ort befindlichen Gebäudes abgetragen. Dennoch sind die konservierten Grundmauern bis heute gut ersichtlich. Dieses Terrain des einstigen mittelalterlichen Hafens ist heute mit einer Ausfallstraße überbaut, von der Sie bis heute vereinzelte Teile in der Fußgängerunterführung erblicken können. Die an der Nordoststrecke gelegene Rivellino-Bastion befindet sich zwar heute in privaten Händen.

Das Museum im Castello Visconteo

Flanieren Sie durch die Räumlichkeiten

Statten Sie dem Castello Visconteo einen Besuch ab, sollten Sie sich eine Stippvisite im archäologischen Museum nicht entgehen lassen. Dieses Museum ist ein Teil des Gebäudekomplexes des Castello Visconteo und insbesondere für seine umfassende Sammlung an römischem Glas bekannt. Diese Kollektion der Glasgegenstände wird durch Exponate der Bronzezeit ergänzt. Flanieren Sie durch die Räumlichkeiten, um Ausstellungsstücke wie mundgeblasene Kelche oder wertvolle Vasen zu erblicken. Bei diesem Besuch erhalten Sie aus nächster Nähe einen Einblick in den einstigen Lebensalltag der Römer. Weitere Bereiche des Museums widmen sich der Friedenskonferenz von 1925, die damals eng mit den Verträgen von Locarno verbunden gewesen ist. Von April bis Oktober ist das Castello Visconteo bzw. das archäologische Museum von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Tickets kosten 5 CHF. Die Eintrittskarten sind in einigen Fällen zu ermäßigten Tarifen erhältlich.

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